Theater am Gymnasium Meiendorf

Über 30 Jahre Theater am Gymnasium Meiendorf.

Eine beachtliche Anzahl von Stücken haben Schüler des Gymnasiums Meiendorf mit deren Lehrern seit 1974 auf die Bühne gebracht, die zunächst nur aus ein paar Podesten im Musiksaal, dem heutigen Kunstraum, bestand und von einigen Strahlern aus einer medizinischen Praxis beleuchtet wurde. Die Schüler spielten aus reiner Freude, denn sie bekamen keine Zensuren für die Arbeitsgemeinschaft. Das Engagement war enorm und setzte Maßstäbe für die weitere Arbeit.
Der Erfolg mit dem irischen Drama "Ein wahrer Held" von Synge rechtfertigte in den Jahren 1974/75 die Konstruktion einer Bühne in Eigenregie aus defekten Schultischen, die die Behörde zur Verfügung stellte und die in einem gemieteten Lastwagen in den Schierenberg transportiert wurden. Von dort trug sie dann eine Karawane von Sechstklässlern zu dem Tischler in der Saseler Straße, der sie auf die gleiche Höhe zurechtschnitt. Herr Grieger, der Mann für alles, verlegte dann mit der Theatergruppe und ihrem Leiter die Spanplatten mit Rahmen darauf, ein Souffleusekasten wurde davorgesetzt, ein billiger indischer Kattunstoff an die Decke gehängt und schon war die Bühne fertig, die bis in die 90ger Jahre gehalten hat, obwohl sie aus baurechtlichen Gründen jederzeit abbaubar sein sollte, wozu es aber glücklicherweise nie kam.
Mehrere Kollegen nutzten nun die Möglichkeiten, die sich boten. Frau Zahlten inszenierte in englischer Sprache "The Matchmaker" und "The Skin of our Teeth" von Thornton Wilder mit ihrem Grundkurs Englisch (1974 und 1975) und Frau Alebrant gründete einen Theaterkurs im Wahlpflichtbereich 9./10. Klassen, der "Ein Sommernachtstraum" von Shakespeare und eine Dramatisierung des "Breakfastclubs" und vieles andere bot.
Von 1974 bis 1979 und von 1984 bis 2003 gab es eine abendfüllende Aufführung jährlich durch den Verfasser. Der uneingeschränkte Einsatz aller beteiligten Schüler und Lehrer war notwendig, um die vielen Proben in eine Aufführung münden zu lassen, die dann auch noch häufig die Lebendigkeit der Improvisation ausstrahlte, aber auch gelegentlich bei einigen Darstellern zu fast professionellem Spiel wurde. Alle Requisiten mussten beschafft oder gestaltet werden, Vorhänge wurden genäht und bemalt, teilweise unter Einsatz von Eltern und Großeltern, Stoffe wurden gekauft und zu Kleidern verarbeitet, alte Möbel vom Sperrmüll geholt, hier stand kein Fundus zur Verfügung. Programme und Plakate wurden zusammengestellt und gemalt und in der Umgebung ausgehängt und den Stadtteilzeitungen zur Verfügung gestellt. So entwickelte sich ein Teamgeist, der alle beflügelte und auch antrieb und zu außerordentlichen Leistungen führte.
Das Lob der Eltern und anderer Besucher sowie des Lehrerkollegiums schaffte Zutrauen zu der eigenen Leistung und stärkte das Selbstbewusstsein. In keinem anderen Fach wird der Mensch so in seiner ganzen Persönlichkeit gefordert und auch in Frage gestellt. Das führte oft auch zu Ängsten, die aber nie zum Aufgeben verleiteten, sondern immer dazu, alle geistigen und psychischen Kräfte zu mobilisieren. Dieser Gang bis an die Grenze der körperlichen und seelischen Leistungsfähigkeit zeigte vielen Schülern und der Verfasser schließt sich dabei ein, wozu sie fähig waren. Und das ist eigentlich das Ziel unserer Theaterarbeit, nicht so sehr die gelungene Aufführung, sondern die dadurch positive Bestätigung der neu errungenen Fähigkeiten, die Erkenntnis der Möglichkeiten, in andere Rollen zu schlüpfen und die Stärkung des Durchhaltevermögens, all das, was einer Stärkung des Selbstbewusstseins dient.
Natürlich gab es viele Pannen, fehlende Requisiten am Aufführungstag, vergessene Aufführungstermine, falsche Einsätze, Auslassen ganzer Szenen, vom Fieber geschüttelte Schüler, die sich verfolgt auf der Flucht in den Vorhängen verwickelten, in den letzten Tagen und über Nacht vor der Aufführung gelernte Rollen, Zusammenbrüche in der Pause mit Schweißausbrüchen und Tränen, die Wünsche, alles hinzuwerfen und wegzulaufen schon in den Proben, aber auch die immer wiederkehrenden Freudenausbrüche nach der Erlösung, wenn der Vorhang gefallen war.
Aber niemand hat es je bereut, daran teilgenommen zu haben, der Stress lohnte sich. Auch das Bewusstsein für Sprache entwickelte sich, ein schlecht gestalteter Text ist mühsam zu lernen und zu sprechen. Wie überzeugend und angenehm klingen da die Texte der Klassiker mit ihrem ausgewogenen Versmaß und Rhythmus, ihren Reimen und anderen Stilmitteln. Auch erfährt man nun durch eigenes Tun, was Stichomythie, Teichoskopie, Alliteration, Anaphern sind, was ein Monolog und eine Beiseitesprechen ist, um nur einige zu nennen, die beim Lesen von Dramen eher Theorie bleiben und leicht vergessen werden.
Wie stöhnt so mancher Schüler über lange Schillersche Gedichte und plötzlich lernt er das Zehnfache. Welche Überwindung kostet es ihn, ein Referat ohne Aufzeichnungen vorzutragen, hier steht er vor 150 Menschen und muss sich auch noch gestisch und mimisch ausdrücken, auf andere hören, reagieren, im rechten Moment eingreifen, Pannen überwinden helfen, zwischen den Akten umbauen helfen und vieles mehr, was die ganze Aufmerksamkeit und Reaktionsschnelligkeit fordert. Welche Überwindung kostet es allein schon, lauter als gewöhnlich zu sprechen, seine Aussagen zu gestalten und welche gar, eine andere Rolle zu übernehmen, obwohl man seine eigene noch kaum kennt.
Besonderen Mut erforderte immer wieder das Singen, vor allem bei denen, die meinten, nicht singen zu können. Und trotzdem gelang das mit erstaunlicher Ausdruckskraft in der "Dreigroschenoper", "Der Kaukasische Kreidekreis" und "My Fair Lady" dies sogar in englischer Sprache.
Die Shakespeare Stücke "Ein Sommernachtstraum", "Viel Lärm um Nichts", "Der Widerspen-stigen Zähmung" und "Romeo und Julia" erforderten ein besonders gutes Gedächtnis für Vers- und Prosatexte und brachten hervorragende Schauspieler zu Tage, von den nur Günja Gura und Jakob Perko oder Christine Oechsle stellvertretend genannt seien. Eine besondere Bravourleistung im Auswendiglernen zeigten Rainer Lassahn und Sabine Schmidt in dem absurden Stück "Die Unterrichtsstunde" von Ionesco als Professor und Schülerin, das auch in der Vereins- und Westbank am Rathausmarkt und in der Markthalle vor der Öffentlichkeit gezeigt wurde. Hierfür mussten Kulissen und Vorhänge transportiert, aufgestellt oder aufgehängt werden. Eine zeitraubende Tätigkeit, die nur mit viel Idealismus aller Beteiligten zu bewerkstelligen war.
Aber auch andere Dramen wurden in Gastspielen vorgestellt, "Ein wahrer Held" im Gymnasium an der Burgstraße (1974), "Leonce und Lena" im Malersaal des Schauspielhauses (1979), "Der Widerspenstigen Zähmung" in der Markthalle und im Schulzentrum Bremen sowie im Amerikahaus.
Auch den Lehrkörper packte im Jahre 1976 die Lust und er ließ sich von den Musen küssen. Eine Aufführung des "Romulus der Große" von Dürrenmatt musste jeden Schüler erfreuen, wenn er seine Lehrer als geschlagene Soldaten, lächerliche Minister oder Kaiser unter Betten und Schränken versteckt erleben konnte, mit stacheligen Beinen und eingegipster Brust. Den Kaiser Romulus spielte damals unser leider so früh verstorbener Kollege Detlev Böhmer, an den hier noch einmal erinnert werden soll. In den 80ger Jahren wurde aus der Theater AG ein Theaterkurs, der bewertet wurde und dessen Note auch in das Abitur einging. Hier spielte Hamburg eine Vorreiterrolle für die ganze Bundesrepublik. Der Kurs konnte nun statt Musik und Kunst gewählt werden und verleitete viele Schüler dazu, ihn zur Vermeidung angeblich schwierigerer künstlerischer Tätigkeiten zu wählen. Trotzdem gerieten alle in den Sog der Kunst und konnten sich hier besonders gut entwickeln.
Auch nach den Kursen etablierten sich Theatergruppen, die eigenständig weiterarbeiteten, so bildete sich eine Gruppe um Andreas Steckner, von der wir nach deren Auflösung ein aus Holzteilen konstruiertes, sehr flexibles und tapezierbares Zimmer übernehmen konnten, das nun schon mehrere Male zum Einsatz kam , z. B. in den Stücken "Ein Inspektor kommt" von Priestley, "The Mousetrap" von Agatha Christie, "Vater braucht eine Frau" von Christian Bock und "Das Gespenst von Canterville" von Oscar Wilde, dessen Aufführung noch am 25. und 26. Juni um 19.00 Uhr bevorsteht.
Cornelia Kloss, die Lehrerin wurde, baute sich eine eigene Theatergruppe auf, und einige Schüler arbeiteten weiter in der Theatergruppe der Universität Hamburg.
Das Theater war am Gymnasium Meiendorf inzwischen so etabliert, dass kein Weg mehr an dem Bau einer festen hölzernen Bühne mit Soufflierkasten und Klappe in den Untergrund der Bühne vorbeiführte. Auch feste Schienen zum Aufhängen der Vorhänge wurden angebracht. Hinzu kamen eine hervorragende fest installierte Beleuchtung mit Scheinwerfern an der Decke aus Restbeständen des NDR Studios in Lokstedt mit einem neuen Mischpult und seit 2003 auch neue Scheinwerfer, die die Stadtteilkonferenz uns schenkte. So wurden die beiden alten fahrbaren 1200 Watt Scheinwerfer ersetzt, stehen aber noch weiterhin zu Verfügung.
Das Landesinstitut für Lehrerfortbildung und Schulentwicklung übergab uns eine neue Tonanlage von ebenfalls hervorragender Qualität, eine Nebelmaschine und ein Stroboskop für Blitze ergänzen erst neuerdings den Fundus. 1998 gab es sogar zwei Theatergruppen für die Oberstufe mit zwei Aufführungen, da Herr Weismann den "Horribilicribrifax" von Gryphius aufführte.
Im Jahre 2001 gründete Herr Lindemann eine Theatergruppe der Unter- und Mittelstufe, die bisher schon drei Stücke auf die Bühne brachte, zu denen auch die umliegenden Grundschulen eingeladen wurden. Mit großem Eifer und Enthusiasmus haben die Schülerinnen und Schüler die Herausforderung angenommen und sich und anderen eine große Freude bereitet. Leider melden sich noch zu wenig Jungen für die Theatergruppen, obwohl die männlichen Rollen fast immer zahlreicher sind als die weiblichen und viele interessante Dramen deshalb nicht aufgeführt werden können.
Nun werden solche Traditionen, die auf dem Idealismus von Lehrern beruhen und eine Mehrarbeit von etwa 60 Stunden jährlich über die normale Unterrichtszeit des Kurses hinaus bedeuten, durch das neue Arbeitszeitmodell verhindert, das eine minutiös verordnete Arbeitszeit von 46,5 Stunden vorsieht. Da der Beruf auch oft psychische Belastungen und in den meisten Fächern höchste Konzentration bei der häuslichen Arbeit des Korrigierens verlangt, ist eine freiwillige Ausdehnung dieser Arbeitszeiten über die verordnete Mehrarbeit nicht mehr zumutbar und jede Stundenzuweisung aus einem Stundenpool der Schule geht zu Lasten anderer Fächer und Kollegen oder der Schüler, die dann in überfüllten Klassen sitzen. Unter diesen Bedingungen kann es keine Aufführungen mehr geben, den Oberstufenkurs "Darstellendes Spiel" mit den im Lehrplan vorgesehenen Aufgaben wird es jedoch auch weiterhin geben und man kann nur hoffen, dass sich die Behörde zu Veränderungen in ihrem Modell entschließt, damit auch diese aufwendigen Veranstaltungen zum Wohl der Schüler und der Schule allgemein erhalten bleiben. Damit eine Erinnerung an all die viele Mühe und für manche auch an die Höhepunkte ihrer schulischen Karriere erhalten bleibt, hier eine Liste fast aller aufgeführten Stücke seit 1974. Da unsere Bilder nach einer Ausstellung 1991 zum 25. Schuljubiläum im Staatsarchiv Hamburg deponiert wurden, sind Irrtümer in geringem Umfang nicht auszuschließen.

W. Wintzer

Unsere Theateraufführungen seit 1974:

1974
Synge: Ein wahrer Held
Wilder: The Matchmaker
Wilder: The Skin of our Teeth

1975
Lessing: Nathan der Weise
Ionesco: Die Nashörner
Saunders: Die Nachbarn
Albee: Die Zoogeschichte

1976
Shakespeare: Viel Lärm um Nichts
Dürrenmatt: Romulus der Große (Lehrerkollegium)
Shakespeare: Ein Sommernachtstraum
Brecht: Die Dreigroschenoper

1977
Frisch: Biedermann und die Brandstifter

1978
Ionesco: Die kahle Sängerin
Dürrenmatt: Die Physiker

1979
Büchner: Leonce und Lena (auch im Malersaal des Schauspielhauses)
Guder: Don Quijote
Frisch: Die Chinesische Mauer

1980
Guder: Kellergäste
Zuckmayer: Der fröhliche Weinberg

1984
Ende: Das Gauklermärchen
Kishon: Vier Sketche

1985
Brecht: Die Kleinbürgerhochzeit

1986
Shakespeare: Ein Sommernachtstraum

1987
Albee: Der Sandkasten
Dorst: Die Kurve
Ionesco: Die Unterrichtsstunde

1988
Hughes: Breakfast Club
Kishon: Es war die Lerche
Brecht: Der kaukasische Kreidekreis

1989
Die Aschenpuddelstory
Werdende Mütter, werdende Väter
Dorst: Der Kater
Synge: Ein wahrer Held

1990
Lerner/Shaw: My Fair Lady

1991
Miller: Hexenjagd
Lerner/Shaw: My Fair Lady ( Wiederholung )

1992
Frisch: Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie

1993
Brecht: Dreigroschenoper

1994
Shakespeare: Romeo und Julia

1995
Dürrenmatt: Besuch der alten Dame

1996 <
Ionesco: Die kahle Sängerin

1997
Priestley: Ein Inspektor kommt

1998
Shakespeare: Ein Sommernachtstraum
Gryphius: Horribilicribrifax

1999
Shakespeare: Viel Lärm um Nichts

2000
Gallion/Perko: Café Absurd
Dürrenmatt: Romulus der Große

2001
Shaw: Pygmalion (in englischer Sprache)
Kästner: Emil und die Detektive

2002
Christie: The Mousetrap (in englischer Sprache)
Bock: Vater braucht eine Frau

2003
Miller: Hexenjagd
Wilde: Das Gespenst von Canterville

2004
Goldoni: Die vier Grobiane
Kraus: Quality Kids
Ende: Die Zeitdiebe (Momo)

2005
Shakespeare: Ein Sommernachtstraum
Erich-Kästner-Show

2006
Tucholsky - Wo kommen die Löcher im Käse her?
Redleg - Ein Piratenmusical für Kinder
Wedekind - Frühlings Erwachen
Theater AG 5./6. Klassen: Eigenproduktion - Im Zeltlager

2007
DSP Kurs S2/S4 Was brauche ich? Und was braucht Deutschland?

2008
Sinnlos. Es hat keinen Sinn. Aber es ist nicht sinnlos.

Leben im All

 

2009

Restmüll

Toms Traum

 

2010

Sommernachtstraum

Die Zeit der Uhren